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Abschaffung des Sozialstaates

"In Berlin tagen Politiker, Gewerkschafter, Kirchen und Sozialverbände zur Zukunft des Sozialstaats." Link

In dem Bericht kommt hauptsächlich ein sonnengebräunter Politikwissenschaftler zu Wort: Prof. Klaus Schroeder. Und am Ende weiß der Leser, dass sich alle einig sind, dass der Sozialstaat nicht zu halten ist. Er ist zu teuer.

Dagegen weist der unterste Absatz darauf, dass alle Bedenken gegen die Abschaffung des Sozialstaates im Grunde nur Wunschdenken sein können:

"Auch Dauderstädt spricht sich für die Subventionierung von Niedriglöhnen aus, fordert aber gleichzeitig eine Mindestlohnregelung. Zudem sollte man Unternehmen und Vermögensbesitzer mehr in die Pflicht nehmen. Man dürfe nicht zu Gunsten von Wettbewerbsfähigkeit und Sparzwängen "alle sozialen Kosten, Lasten und Risiken auf die Gesellschaft abwälzen", so Dauderstädt. "Das ist für die Gesamtgesellschaft ein Nullsummenspiel." Eine einseitige Belastung dürfe man nicht dulden."

Alle Welt ist sich einig, besonders die Politikwissenschaftler und ihre entfernteren Verwandten: Mit Arbeit ist kein Geld mehr zu verdienen. Nur noch durch den effizienten Einsatz von Kapital. - Um diesen Einsatz auch in Ruhe machen zu können und um diesen "Sachzwang der Abschaffung des Sozialstaates" abzusichern, leiten die wissenschaftlichen Halbgötter immer wieder mal eine Nachricht an die Menschen da draußen, dass der Sozialstaat nicht mehr lange existieren kann.

Sie haben tausend Gründe dafür, dass Arbeit einen Menschen im Grunde gar nicht ernähren kann. Gevatter Markt, der mit dem Titel "Der Freie", hat es halt so geregelt. Dafür können ja die Wirtschaftsforscher und Wirtschaftlenker nichts! Der Markt wollte es so und er wird weiter dafür sorgen, dass die Arbeit immer weniger einbringt, das Kapital sich aber von ganz allein vermehrt.

Ist das Märchen vom Perpetuum mobile wahr geworden?

Während die Reichen ihr Kapital arbeiten lassen, kneifen sie krampfhaft beide Augen zu, um nicht die Wahrheit sehen zu müssen, dass diese Gewinnmitnahme einzig und allein auf Rechnung und Kosten der arbeitenden Bevölkerung erzwungen wird. Und weit und breit gibt es niemanden, der die Rechtmäßigkeit dieses überdimensionalen Wettbüros "Börse" anzweifelt. Auf der ganzen Welt ist die professionelle, börsianische Ausbeutung der arbeitenden Menschen die größte Selbstverständlichkeit schlechthin.

Doch mindestens aus moralischer Sicht ist die Börse nur eine Geißel der Menschheit. Und das Verwunderliche ist, dass der Sozialstaat selbst als Grund für seine Abschaffung herhalten muss. Die Börse, die in jeder Sekunde Unmengen an volkswirtschaftlichem Wert abschöpft und wegführt und in die Taschen einiger Reichen umleitet, die Börse ist selbstverständlich der größte Segen für die Menschheit und keinesfalls der Grund, dass Armut weltweit immer krassere Formen annimmt und ihr immer schwerer zu entkommen ist.

Die Börse und ihre geldliebenden Handlanger verantworten den Niedergang einer selbsttragenden Wirtschaft. Damit ist natürlich verbunden, dass der Sozialstaat sterben muss. Als Extrawitz leistet sich die Konzernwirtschaft seit eh und je, abgeschobene Arbeitskräfte im großen Stil auf Kosten der Rentenkassen zu entsorgen.

Der amerikanische Staat machts vor. Bis heute gibt es nicht den Hauch eines organisierten Widerstands. Das macht der europäischen Hemisphäre Mut, ihren Weg in die Verabsolutierung der Börse fortzusetzen. Und sie schaffen es bis heute, den Menschen vorzumachen, der Sozialstaat selbst sei der Grund, dass er abgeschafft werden müsse.

Wie einfach der Mensch sich an der Nase herumführen lässt, ist erstaunlich. Ein paar Dreiste haben das Heft in der Hand und schreiben ihre Regeln wie ein naturwissenschaftliches Gesetz auf die Stirnen der Menschen. Und die Menschen folgen ihnen.


Kommentare:



01
Ist das Märchen vom Perpetuum mobile wahr geworden?

Ein neoliberaler Irrglaube. Nur leider ist die überwiegende Mehrheit diesem Irrglauben verfallen, anders kann ich mir (Union und FDP sind schon immer dem Kapital hörige Parteien gewesen) den Rechtsdrift der SPD und auch der Gewerkschaften nicht erklären. Oder woher rührt der Wunsch nach Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand? Gewinn aus dem Kapital gebildet werden kann, ist doch immer das Produkt von Ausbeutung, entweder des ein Produkt produzierenden Arbeitnehmers oder des, dieses Produkt zu einem überhöhten Preis Kaufenden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen ist es erforderlich den Begriff "Gewinn" genau zu definieren. Denn über eines müssen wir uns auch klar sein, ohne ein Mindestmaß an Gewinn würde es keinen oder nur Fortschritt im Schneckentempo geben.
Alfred, 28.02.2008

02
Staat und Wirtschaft,

Es gibt m. E. zwei Dinge über die wir uns klar werden müssen, wenn wir über den Erhalt, den Ausbau oder die Abschaffung des Sozialstaates reden wollen.

1. Was ist der Staat welche Aufgabe hat er in unserer Gesellschaft zu erfülen? Nicht wie er sich real darstellt, sondern wie sollte er sein?

2. Was ist Wirtschaft, welchen Zweck erfüllt sie in unserer Gesellschaft?

Für mich ist Arbeit ein Bestandteil der Wirtschaft, man kann beides nicht von einander trennen. Wirtschaft ohne Arbeit gibt es nicht. Ebenso verhält es sich mit Kapital und Arbeit. Mit reiner Arbeit kann ich unter Einsatz der natürlich vorhandenen Ressourcen, ohne den Einsaz jeglichen Kapitals (Geld), die existenzsichernden Dinge des Lebens erschaffen. Versuch das einmal mit Geld, selbstverständlich nicht einkaufen, es wird nicht funktionieren. Aber genau das ist das Perpetuum mobile an das die Kapitalisten glauben, oder habt ihr schon einmal Geld arbeiten sehen, denn es soll ja angeblich arbeiten können und sich selbst vermehren. Jedoch die Arbeit von der die Kapitalisten sprechen, ist nicht die Arbeit des Geldes, sondern es ist immer die Ausbeutung des arbeitenden Menschen die Gewinn schafft und dem Kapital hilft sich ohne Arbeit zu vermehren.

Alfred, 28.02.2008

03


Die Abschaffung des Sozialstaats ist nicht nur längst überfällig, sondern auch gerecht !!!!
Der Sozialstaat steht im krassen Gegensatz zu unseren christlichen Werten und zur Lehre Jesu der Eigenverantwortung und Selbstgenügsamkeit. Der Staat ist nicht dafür da, Sorge zu tragen, daß jeder faule Hund seinen Bauch voll bekommt. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, seine Bürger wie kleine dumme Kinder zu bevormunden.
Woher nimmt sich denn der Staat das Recht, Vermögen umzuverteilen?
Was ich damit sagen will: ich habe es satt hohe Steuern dafür bezahlen zu müssen, daß irgend ein Fremder sich mit meinem Geld ein schönes Leben machen kann. Denn: ICH SCHULDE NIEMANDEM ETWAS!
Die Aufgabe des Staates ist es lediglich, dafür Sorge zu tragen, daß die Armen sich nicht durch kriminelles Verhalten die Güter der Reichen unrechtmäßig aneignen können. Und wenn jemand stiehlt oder andere betrügt, dann erwarte ich vom Staat ein sehr hartes Durchgreifen, z.B. indem man diese Leute in den Steinbruch steckt, täglich 18 Stunden, und zwar solange, bis der von ihnen angerichtete Schaden wieder gutgemacht ist.
Oder wer empfindet diese progressiven Steuersätze, die sich immer mehr einer vollständigen Beschlagnahmung annähern noch gerecht?
Und alles nur zum Zwecke der Umverteilung ... DOCH WOZU?
Hunger wird es immer geben .. aber von NICHTS kommt halt NICHTS .. und ich sehe nicht ein, warum ein Fremder einem anderen Fremden etwas schulden soll, nur weil er härter Arbeitet, sich mehr anstrengt oder etwas drauf hat.
ZEIT ZUM AUFWACHEN, LEUTE .. EUER KOMMUNISTISCHES UTOPIA WIRD VERSAGEN, ZU RECHT !!!! JEDEM DAS SEINE, WAS IHM WAHRLICH ZUSTEHT !!

Christoph, 24.06.2009
04


Der einfachste Weg zur Abschaffung des Sozialstaats liegt in der Abschaffung des Geldes. Das macht das Leben zwar komplizierter, aber nicht unmöglich. Jeder kann irgendwas, was den Anderen interessiert und wofür dieser sein Können einsetzt. Aber das hatten wir vor einien tausend Jahren ja schon mal. Leider gab es damals genug Verbraucher, die sch überzeugen ließen, daß ein Krug mit Henkel mehr Wert ist, als einer ohne Henkel. D.h. die Menschen arbeiteten härter, um einen Krug mit Henkel zu bekommen. Bei gleichem Aufwand hätte wohl der Hersteller von Krügen ohne Henkel etwas anderes herstellen müssen. Leider gibt es zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch, wie vor tausenden von Jahren, genügend Menschen, die bereit sind zu glauben, daß ein Henkelkrug mehr Arbeitskraft wert ist als ein henkelloser Krug. Damit ist die Grundlage für den Sozialstaat gegeben. Wenn Einige bei gleichbleibendem Bedarf an Arbeit mehr arbeiten, müssen zwangsläufig Andere weniger arbeiten. Natürlich will niemand zusehen wie sein Nachbar verhungert. Also arbeitet man noch mehr und unterstützt den armen Hungerleider - den kann man auch gut als faul bezeichnen - dann fühlt man sich besser, schafft aber noch mehr Armut. Wenn nun die Mehrleister gesagt bekommen, daß sie noch mehr arbeiten sollen und das glauben, muß der Überschuß an Arbeitskraft abgeschöpft werden. Jedoch nicht von der Regierung, sondern vom Henkelkrughersteller. Der legt sich auf die faule Haut und läßt Leisten, lebt aber erheblich besser, als die anderen (wirklich) Faulen. Das heist dann Umverteilung der Arbeit.

Manche Menschen glauben, daß ein henkelloser Krug so gut ist wie einer mit Henkel. Sie unterscheiden sich lediglich in der Handhabung, nicht in der Funktion.

Also lassen wirs erstmal beim Sozialstaat und gehen die Umverteilung anders an. Im 22. Jahrhundert sehen wir dann weiter.

Wolfgang, 07.10.2010


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